Nachdem mich hier die ersten Beschwerden über eine unzureichende Informierung meiner Tätigkeiten hier erreicht haben, werde ich diese nicht länger auf mich sitzen lassen und euch von meiner ersten Woche hier berichten:
Am Montag letzter Woche, als die meisten von euch noch den Rausch vom Stadtschützenfest ausgeschlafen haben (an dieser Stelle herzlichen Glückwunsch an Shorty zur Stadtschützenkönigswürde), haben Johannes und ich uns am Abend in Buenos Aires in den Bus gesetzt um Richtung Misiones zu fahren.
Am Dienstag Morgen sind wir dann nach 12 Stunden Busfahrt in Apostoles, der nächsten Stadt von Azara aus, angekommen. Johannes hatte sich entschlossen noch nen paar Tage meine Einsatzstelle zu besuchen: Die Pfarrei "San Antonio de Padua" hier in Azara. Und so wurden wir beide von Manu meinem Vorgänger und einem Freund hier aus dem Dorf abgeholt.
Links seht ihr ein Bild von der Kirche hier in Azara, links daneben seht ihr auch einen klitzekleinen Teil vom Pfarrhaus. Wie ihr seht sind hier im Moment viele Büsche am blühen, obwohl es eigentlich Winter ist.
Rechts seht ihr das Haus in dem ich wohne:
Es ist ein Neubau und enthält verschiedene Sähle der Pfarrei, öffentliche Toiletten und im Obergeschoss Gästezimmer, die MaZ-Zimmer und das Zimmer von Francisco.
Da die Betten im Bus (man kann die Sitze im Bus fast wirklich als Betten bezeichnen), doch nicht hundertprozentig richtige Betten ersetzen, haben wir uns dann ersteinmal zur Ruhe gelegt.
Am Nachmittag haben wir dann eine kleine Dorfführung bekommen.

Hier seht ihr meinen Vorgänger und (bis jetzt noch) "Meister" Emanuel, mich und Johannes am Fluss Chimirey, der hier nahe am Dorf vorbei fliesst und im Sommer das Freibad des Dorfes ist.
Ich spreche hier dauernd von meinem Dorf Azara, aber keiner von euch kann sich darunter so wirklich was vorstellen, deswegen folgt hier eine kleine Beschreibung:
Azara hat in etwa (mit allen umliegenden Höfen) 4000 Einwohner und liegt in der argentinischen Provinz "Misiones" im Nord-Osten Argentiniens (Für Insider ist das auch die Provinz in der die grössten Wasserfälle der Welt, die Cataratas de Iguazu liegen).
Die Region hier ist Grenzgebiet zu Brasilien und Paraguay und hat ein subtropisches bis tropisches Klima.
Die Menschen in dieser Provinz leben hauptsächlich vom Yerba-Mate Anbau, dem Pulver womit man den berühmten Mate-Tee zubereitet und der Holzindustrie. Viele Menschen leben auch von der Viehzucht. Es ist also eine sehr ländlich geprägte Region und hier leben hauptsächlich einfache Menschen. (Ein Beispiel dafür ist z.B., dass ich neulich bei einer Geburtstagsfeier darauf angesprochen wurde, dass es doch 2 Deutschlands gibt, oder?. Das kann man aber auch auf das nicht wirklich gute Schulsystem hier zurückführen, was nur eines der vielen Probleme dieses Landes ist.)
Hier links seht ihr das Altenheim, was im Dorf gebaut wird. Es wird hauptsächlich durch Spenden, die der Padre von Freunden aus Deutschland enthält aufgebaut, auch wenn es offiziell ein Projekt der Gemeinde ist. In Zukunft hoffen wir auch noch auf öffentliche Gelder der Provinz Misiones, da immer nur dann gebaut werden kann, wenn auch Geld zur Verfügung steht.Wenn auch ihr mit einer Spende dazu beitragen wollt, dass das ganze Projekt schneller zustande kommt, was mich wirklich sehr freuen würde, wäre es nett, wenn ihr euch per Mail, oder sonst wie, melden würdet. Da es in diesem Land quasi keine soziale Sicherung staatlicher Seits gibt, würde eine Spende eine wirksame Hilfe zur Veresserung der armen Alten des Dorfes bedeuten.
In den folgenden Tagen habe ich hier viele neue und meistens wirklich herzensgute Menschen kennengelernt, vornehmlich natürlich aus dem Helferkreis der Pfarrei.
Samstag hat sich dann auch mein Reisegefährte Juan (Johannes) von mir verabschiedet. Er wird nach eineigen Kommunikationsproblemen mit seinem Padre in Encarnacion in Paraguay, wo auch er in einer Pfarrei arbeiten wird, diesen doch noch besuchen, um nun nach Asuncion zu gehen, wo er in einer Sprachschule noch spanisch lernen wird. (An dieser Stelle schöne Grüsse!!!)
Am Wochenende lagen dann auch noch gleich zwei grosse Events an: zum einen war am Samstag die Firmung hier im Dorf, wo für die anschliessende Feier mit den Familien ca. unendlich viele Sandwiches geschmiert und Empanadas (kleine Teigtaschen mit verschiedenen Füllungen, meistens mit Hackfleisch) gebacken wurden.
Zum anderen fand am Sonntag in ganz Argentinien der Tag des Kindes Stadt. Dieser wurde hier im Dorf mit einem riesigen Kinderfest gefeiert, was von der Jugendgruppe der Pfarrei organisiert wurde und woran ca. 1000 (ja drei Nullen sind richtig!!) Kinder teilnahmen.Dafür bereiteten die Frauen des Helferkreises ca. 1700 süsse Teigbällchen mit Marmelade und unzählige Liter Kakao zu, die an die Kinder verteilt wurden. (Foto)
Ausserdem gabs natürlich noch die Sonntagsmessen, wovon eine jede Woche an einem anderen Ort in dem weitläufigen Gebiet der Pfarrei stattfindet, um auch den Menschen die dort auf ihren Chacras (Bauernhöfe) leben auch die Möglichkeit zu geben wenigstens einmal im Monat einen Gottesdienst zu besuchen.
Unter Woche galt es dann erst einmal den ganzen Platz vom Kinderfest aufzuräumen und dann gabs natürlich noch die ganzen Aktivitäten, die zu einer Pfarrei dazu gehören.
Aber in der Woche hält sich die Arbeit in einem erträglichen Mass.
Morgen findet dann noch die Verabschiedungsfeier für meinen Vorgänger Manu statt, der nach einem Jahr seinen Dienst hier beenden wird und zurück in Deutschland anfangen will zu studieren und sich schon auf das Rückkehrerseminar Anfang Oktober freut ;-) .
Von ihm konnte ich vieles über die Menschen hier im Dorf, meine Aufgaben und alles Mögliche was während eines solchen Jahres auf einen zukommen kann und wird lernen und ich bin froh, dass ich noch die Zeit mit ihm gehabt habe!
Neben meinem Vorgänger lebt hier in der Pfarrei auch noch der Adoptivsohn des Padres, Francisco. Er ist 16 Jahre alt und wirklich netter aber auch sehr lebendiger Typ, was einem manchmal auch nen bisschen auf die Nerven gehen kann. Er geht hier noch zur Schule und wird in nächster Zeit seinen Abschluss machen.
Ausserdem gehört zu einer Pfarrei natürlich auch noch ein Pfarrer, das ist hier der Steyler Missionar P. Enrique Grosse-Darrelmann. Er stammt ursprünglich von einem grossen Hof im "Oldenburger Münsterland", ist aber mittlerweile schon seit 50 Jahren (in diesem Jahr genau) in Lateinamerika, hat in Buenos-Aires Theologie studiert und war lange Jahre in Kolumbien tätig wo er mehrere Pfarreien aufgebaut hat.
Nach einer schweren Krankheit vor mittlerweile ca. 15 Jahren ist er dann nach Misiones versetzt worden, wo er jetzt seit 9 Jahren in dieser Pfarrei tätig ist.
Er ist ein wirklich netter Typ, der für seine 75 Jahre noch ausgesprochen fit ist und mit dem man über alles reden kann.
Mit diesen beiden werde ich jetzt die nächsten 12 Monate zusammenleben!
Jetzt habe ich allerlei geschrieben, was ich hier eigentlich die ganze Zeit mache, und wie das hier alles so aussieht, aber noch nichts wie ich mich eigentlich fühle:
Ich fühle mich hier wirklich ausgesprochen wohl! Die Menschen hier machen einem den Anfang hier sehr leicht, was wohl auch schon an ihrer Erfahrung liegt, denn ich hatte insgesamt schon 4 Vorgänger. Sie sind sehr nett und gehen offen auf mich zu auch wenn es doch immer wieder noch Verständigungsprobleme, bedingt durch mein im Aufbau begriffenes Spanisch, gibt.
Auch wenn ich mich dann manchmal fühle wie "nen Ochs vorm Berg", nichts verstehe und noch weniger antworten kann, merke ich doch, wie ich recht schnell immer mehr verstehe und auch dadürch viele Vokabeln lerne. Es wird also!
Ich wünsch euch daheimgebliebenen alles Gute, bleibt gesund und schreibt mir ruhig mal nen paar Mails auch wenn ich nicht auf alle antworten kann!
Bis bald y saludos desde la país la mas linda del mundo!
Bernardo
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